fbpx

Warum Deine Produktionskosten nicht mehr als 10% vom Verkaufspreis betragen sollten

Warum Deine Produktionskosten nicht mehr als 10% vom Verkaufspreis betragen sollten

Zehn Prozent Produktionskosten für Dein Modelabel

Wie verhältst Du Dich, wenn ein Produzent Dir sagt, wie viel Deine Produktion kosten soll?

a) Sagst Du “ok” und hältst den Preis für völlig gerechtfertigt (Du möchtest ja niemanden ausbeuten)?
b) Sagst Du “ok” und denkst Dir insgeheim, dass die Kosten ganz schön viel Deines Budgets fressen?
c) Verhandelst Du nach?

Deine Antwort auf meine Frage hängt mit einem wichtigen Stolperstein für Dein Label zusammen, dem ich in meiner Beratungstätigkeit immer wieder begegne.

Wenn ich mit potenziellen Interessentinnen spreche, ist der Verkauf an Einzelhändler fast immer ein Thema. Einige Interessentinnen sagen dann aber, dass sie nicht an Einzelhändler verkaufen können, weil ihre Produktionskosten zu hoch sind und sie sonst zu wenig am Produkt verdienen würden.

Erkennst Du Dich darin wieder?

Achtung, hier liegt ein wichtiger Denkfehler:

Wenn ich dann genauer nachfrage, stellt sich meistens heraus, dass diese Interessentinnen nicht beim Produzenten nachverhandelt haben. Sie denken, man handelt nicht. Sie denken, der Produzent kennt seine Preise schon. Sie denken, wenn sie den Preis verhandeln, werden die Näherinnen ausgebeutet.

Bei allen Produktionsstandorten außerhalb von Deutschland empfehle ich auf jeden Fall immer nach zu verhandeln. Viele Produzenten kalkulieren das mit ein. Es gibt Kulturen, wie z.B. viele osteuropäische Produktionsstandorte, wo man nur ernst genommen wird, wenn man nach verhandelt.

Durch die verringerten Fertigungspreise bekommen die Näherinnen nicht weniger Gehalt. Genau wie in Deutschland kann man auch an anderen europäischen Produktionsstandorten nur sehr bedingt das Gehalt “einfach so” variieren. Insofern sind die Näherinnen erstmal nicht von den Preisverhandlungen betroffen.
Das Menschenrecht und den Umweltschutz würde ich eher auf anderem Wege mittels passendem Fragekatalog überprüfen. Gibt es zum Beispiel vor Ort eine aktive Gewerkschaft? Wird die Produktion regelmässig von bestenfalls unabhängigen Stellen überprüft? Ja, auch mit diesen Aktionen kann es sein, dass die Näherinnen ausgebeutet werden, aber das und andere Methoden helfen auf jeden Fall viel eher, die Näherinnen zu schützen, als ein Preis-Nachverhandlung.

Viele Branchenfremde sind erstmal schockiert, wenn sie hören, wie gering die Produktionskosten sind. Inzwischen wird vieles schon maschinell beziehungsweise im Akkord gefertigt. Insofern können auch ganz andere Preise realisiert werden, als wenn wirklich jede Naht handgenäht wäre.

Du möchtest als fairer Geschäftspartner wahrgenommen werden und hast deshalb Bedenken, nach zu verhandeln? Wenn ihr gemeinsam den richtigen Preis aushandelt ist die Chance wahrscheinlicher, dass Dein Unternehmen Folgeaufträge bei der Produktion platziert, weil Du Dein Unternehmen auch eher erfolgreich aufbauen kannst und ihr damit den Grundstein für eine langfristige, erfolgreiche Partnerschaft legt. Insofern lege ich Dir nahe, den ersten Schritt zu gehen und die Produktionskosten nach zu verhandeln.

Jetzt weißt Du also, warum Du gerne Deine Produktionskosten nach verhandeln darfst. Als Nächstes möchte ich Dir erklären, warum Deine Produktionskosten maximal 10% Deines Verkaufspreises betragen sollten.

Dein Verkaufspreis besteht aus zwei Hauptanteilen:

Einem Anteil, den Du sozusagen direkt Vertriebs- und Marketingaktivitäten zurechnen darfst. Diesen Anteil behältst Du entweder selbst, wenn Du ein eigenes Geschäft und/oder einen eigenen Onlineshop hast, oder Du gibst diesen Teil an den Händler, an den Du das Produkt verkaufst.

Der Händler kauft das Produkt zum Einkaufspreis. Eine gute Marge für den Händler, mit dem er das Produkt gerne kauft, liegt im textilen Bereich bei circa 2,6. Wenn Dein Produkt also für 260 € im Einzelhandel an den Endverbraucher verkauft werden soll, kauft der Händler es Dir vorher für 100 € ab.

Der Händler bekommt also knapp zwei Drittel des Verkaufspreises und übernimmt dafür die Vertriebsprozesse: Seine Mitarbeiter verkaufen das Produkt auf der Fläche oder online, er erklärt dem Kunden Dein Produkt, er präsentiert es, er trägt das Risiko ob das Produkt verkauft wird.

Für Dich bleibt dann noch ein gutes Drittel vom Verkaufspreis übrig, mit dem Du Deine Material- und Fertigungskosten, die fixen und variablen Kosten des Unternehmens, sowie die Kosten des Verkaufs (an den Einzelhändler, denn den musst Du ja auch irgendwie akquirieren) decken kannst. Halt, fehlt da nicht etwas?

Genau, damit all das auch Spaß macht, sollte Dein Verkauf natürlich auch Marge abwerfen. Eine schlüssige Aufteilung ist 50% Kosten, 50% Marge. Die Marge ist das, was Du am Produkt verdienst.

Preiskalkulation für Handmade Label

Und um diese Bestandteile des Preises alle realisieren zu können, ist es notwendig, dass Deine Material- und Produktionskosten maximal 10% vom Verkaufspreis betragen.

Vielleicht stellst Du Dir jetzt die Frage, warum Du überhaupt an Einzelhändler verkaufen solltest. Um es auf den Punkt zu bringen:

Wenn Du an Einzelhändler verkaufst, kannst Du mit weniger Aufwand deutlich mehr Umsatz generieren. Mehr dazu erfährst Du in meinem kostenlosen E-Book.

 

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.